Spezifität – Wirst du wirklich nur genau in dem besser, was du auch trainierst?

Bekannt ist, dass sich alle Teilsysteme unseres Bewegungsapparats an auferlegte (+ angemessene) Anforderungen anpassen können. Unser Organismus stellt somit sicher, dass er in Zukunft den vom Reiz induzierten Stress besser standhalten kann (Roux 1895, vgl. auch u.a. das Wolffsche Gesetz).

Dabei kann uns folgende, grobe Einteilung für die spezifische Trainingsanpassung weiterhelfen (Reily 2009):

  1. Das Energiesystem
  2. Der Trainingsmodus
  3. Die Muskelgruppen
  4. Das Bewegungsmuster

Umso ähnlicher bzw. unterschiedlicher diese Aspekte zwischen dem Training und der Ziel-Sport- oder Bewegungsart sind, desto mehr oder weniger ausgeprägte Transfereffekte können wir erwarten. Bei Transfereffekten sprechen wir hier von sogenannten “Far Transfer Effects”. Der “Near Transfer Effect”, der eigentlich völlig irrelevant sein sollte, aber dennoch häufig als Argument für eine Übungs-Intervention angebracht wird, ist hiermit nicht gemeint.

Zoomen wir zunächst weiter raus, lässt die aktuelle Studienlage vermuten, dass es eher selten zu einem nennenswerten Transfereffekt kommt und sogar kontraproduktive Anpassungseffekte provoziert werden können.

So kann z.B. beim Gleichgewichtstraining auf einem Kippbrett kein Transfer auf andere Untergründe herausgestellt werden (Giboin 2015) und eine Umwandlung der Muskelfasertypen durch primäres Ausdauertraining kommt mit einer schlechteren Ausgangslage für die Kraftleistung einher (Wilson 2012).

Bei Bewegungs- & Trainingsanfängern zeigt sich jedoch, dass allg. ein größerer Transfereffekt erwartet werden kann. D.h. unspezifische Ansätze können zunächst einen positiven Einfluss auf das individuelle Trainingsziel haben.
Oder: Als Untrainierter kann eine schwere Kniebeuge womöglich einen Transfereffekt auf deine Sprint-Geschwindigkeit haben – als Sprinter mit einem gewissen Trainingsalter eher nicht (Beardsley 2018).

Auf der biologischen Ebene gibt es noch eine grandiose “Ausnahme”, die uns die Komplexität der Wirkmechanismen nochmals vor Augen führen soll:

Der Cross-Education Effekt beschreibt, wie ein einseitiges Krafttraining zu Kraftzuwächsen in der untrainierten, also kontralateralen Muskelgruppe führen kann (Hendy 2017).

Packen wir noch die kognitive und motivationale Ebene dazu, sollten wir uns den etablierten Kontext-Interferenz-Effekt angucken: Er bezieht sich auf die Überlagerung, die beim Üben mehrerer Fertigkeiten (oder Variationen einer Fertigkeit) innerhalb einer einzigen Übungseinheit auftritt.

Eine geringe kontextuelle Interferenz, z.B. nur das Trainieren der Zielübung, führt in der Regel zu einer besseren Leistung während des Trainings, während eine hohe kontextuelle Interferenz, z.B. das Trainieren einer Übungsbatterie, zu einem besseren Lerneffekt und somit zu einer stabileren, nachhaltigeren Leistung führt (Shea 1979), Magill 1990), Brady 1998), Barreiros 2007)!

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Wir freuen uns über dein Wissenschaftsinteresse!

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