Krafttraining funktioniert – nur wie? (Teil 1)

Ob im Performance-, Präventions- oder im Rehabilitations-Bereich: Krafttraining ist als fester Bestandteil einer soliden Toolbox von Trainern und Therapeuten nicht wegzudenken. Abgesehen von der offensichtlichen Anwendung zur Optimierung der Körperkomposition durch Muskelwachstum (Hypertrophie), kann für Athleten durch gezieltes Krafttraining u.a. die Sprintfertigkeit (#1, #2, #3) und die Sprungleistung (#4) verbessert werden. Wir scheinen also zu wissen, dass Krafttraining funktioniert. Was der Forschung jedoch immer noch ein semi-kleiner Dorn im Auge ist, sind die nicht zu unterschätzenden Wissenslücken in Bezug auf die eigentlichen Wirkmechanismen und deren genauen Abläufe und potentiellen Überlagerungen.

1. Mögliche Hypertrophie-Mechanismen

Muskelhypertrophie kann an der Vergrößerung der Querschnittfläche (Cross-Sectional Area = CSA) eines ganzen Muskels gemessen werden. Dies kann zum Einen durch eine Vergrößerung des Durchmessers einzelner Muskelfasern und zum Anderen durch eine erhöhte Anzahl von Muskelfasern (=Hyperplasie; meines Wissens beim Menschen noch direkt messbar) hervorgerufen werden. Darüber hinaus gibt es noch die Einsicht, dass das Volumen eines ganzen Muskels durch eine Verlängerung der Muskelfasern (≠ CSA) erhöht werden kann, welche durch eine serielle Hinzufügung von Sarkomere (kleinste Einheit unserer Muskeln) hervorgerufen wird. Nun zur eigentlichen Frage: welche Mechanismen provozieren all diese Anpassungen? Ein recht einflussreiches Paper von Schoenfeld (oder auch “Der Hypertrophie-Spezialist” genannt), schlägt drei primäre Hypertrophie-Mechanismen vor:

  1. Mechanische Belastung,
  2. Metabolischer Stress &
  3. Mikroverletzungen des Muskelgewebes.

Zu 1: bei einer mechanischen Belastung werden die motorischen Einheiten eines Muskels rekrutiert und der dadurch hervorgerufenen Muskelverkürzung wird durch das Einwirken des Gewichts entgegengewirkt. Daraus resultiert eine vermehrte Spannung im Muskel, die von sogenannten Mechanorezeptoren ermittelt und zur Initiierung von Wachstumsprozessen weitergeleitet wird. Zu 2: metabolischer Stress entsteht durch die Anhäufung bestimmter Zwischenprodukte des Stoffwechsels (v.a. Laktat, Wasserstoff-Ione, anorganische Phosphate und Kreatin), welche durch die kraftsporttypische Energiebereitstellung über die anaerobe Glykolyse hervorgerufen wird. Diese Anhäufung soll zu einer vermehrten Rekrutierung motorischer Einheiten und einer gleichzeitigen Reduzierung der Kontraktiongeschwidigkeit der Muskelfasern führen. Dadurch erhöht sich letztendlich die mechanische Belastung auf den nun “ermüdeten” Muskel – der metabolische Stress kann somit als sekundärer Mechanismus einer Muskelhypertrophie verstanden werden. Eine primäre Rolle in der Muskel-Hypertrophie konnte bis jetzt jedoch nicht herausgestellt werden.Zu 3: Mikroverletzungen der Muskelfasern können nach einem Krafttraining in den kleinsten Bausteinen unserer Muskeln auftreten ( u.a. Myofibrillen, Cytoskelett, Sarkolemm, extrazelluläre Matrix). Sind diese Verletzungen überschaubar können diese repariert werden, wobei durch eine Entzündungsreaktion nicht mehr zu rettende Materialen abtransportiert und sogenannte Satellitenzellen aktiv werden. Diese Zellen sind auf mehreren Wegen im Wiederaufbausprozess involviert und können als neue ‘Bausteine’ und gleichzeitig als ‘Bauarbeiter’ herhalten. Auch wenn dieser Prozess viele Ähnlichkeiten zu dem des Muskelwachstums aufweist, kann hier bis dato keine kausale Verbindung geschaffen werden. Im 2. Teil werden wir uns mit den möglichen Trainings-/Therapie-implikationen beschäftigen!

#SportsScienceRevised #OXEducation

Related Articles