Individualität – Warum dein sonst erfolgreicher Trainingsplan nicht bei jedem funktioniert.

1. Das “Filtern” des Trainingsinputs

Seit geraumer Zeit wird nun auch im Kontext des Trainings der Mensch als ein individuelles, komplexes System verstanden, welches mit unterschiedlichsten (und emergenten) Eigenschaften daher kommt. Diese Eigenschaften können den Trainingsinput in mehreren Stationen ‘filtern’ und somit zu einer sehr individuellen Anpassung führen. Folgende Stationen können dabei festgehalten werden (Kiely 2018):

  1. Genetische Prädisposition
  2. Persönliche Veranlagungen & Charaktereigenschaften
  3. Belastungshistorie & Resilienz
  4. Trainings- & Verletzungsgeschichte
  5. Aktueller Stress-Status

2. Mögliche Einflussfaktoren der Anpassungsreaktion

Somit ist es nicht verwunderlich, dass eine hohe inter- (und intra-) individuelle Variabilität der Anpassungsreaktion bei gleicher Trainingsgestaltung bereits mehrfach herausgestellt werden konnte:

  • Studie 1 (Bouchard 2001):
    Maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) konnte nach 20 Wochen Ausdauertraining zwischen 0 und 100 % gesteigert werden. (n = 720)
  • Studie 2 (Hubal 2005):
    Maximalgewicht (1RM) konnte nach 12 Wochen Krafttraining um 0 bis 250 % gesteigert werden, während die Muskelgröße sich dabei in einem Spektrum von -2 (!) bis +59 % veränderte. (n = 585)

Auch konnte eindrucksvoll gezeigt werden, dass die kognitive Einstellung des Trainees zu einer körperlichen Tätigkeit die biologischen Anpassungseffekte nachhaltig beeinflussen kann (z.B. Gewicht, Körperfett, Blutdruck) (Crum 2007).

3. Fazit

Die primäre Aufgabe besteht also darin, die individuellen und tagesabhängigen Anpassungsreserven des Trainees aus mehreren Blickwinkeln zu evaluieren (hat da gerade jemand ‘Bio-Psycho-Sozial’ gesagt?).

Einige Monitoringsysteme können dafür sinnvoll eingesetzt werden (Herzfrequenzmonitore, Fragebögen, etc.), wobei hier kein wirklicher “Goldstandard” existiert, denn alle verfügbaren Methoden weisen klare Vor- & Nachteile auf (+ Messfehler), sodass eine Parameterkombination aus mehreren physiologischen und psychometrischen Daten bis dato die beste Wahl darstellt (Lambert 2010).

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