Bandscheibendegeneration in der LWS? Zeit für eine neue Sicht auf den Klassiker

Eine Bandscheibendegeneration wurde im letzten Jahrhundert (bzw. wird teilweise bis heute) vorwiegend als Folge von Alterung und “Abnutzung” durch mechanische Einwirkungen und Verletzungen betrachtet (Battié et al. 2009).

Daher konzentrier(t)en sich die Präventionsstrategien und die Forschung im Bereich der degenerativen Veränderungen an der LWS und der damit verbundenen klinischen Befunde größtenteils auf mechanische Faktoren als primäre Ursache.

Insbesondere die Einsicht, dass degenerative Veränderungen gar nicht so selten ohne Symptomatiken auftreten können, sollte die Notwendigkeit deutlich machen, diese ‘Veränderungen’ in ein neues Licht rücken zu müssen (Brinjikji et al. 2015).

Hier exemplarisch die bildgebenden Befunde der 40-jährigen, asymptomatischen, Probanden:

Weiterhin konnte eine langjährige und multidisziplinäre Zwillings-Studie zeigen, dass es gilt, die weitverbreitete “Alterung-Abnutzung”-Sichtweise zu revidieren (Battié et al. 2009):

Zu den wichtigsten Ergebnissen gehörten ein erheblicher Einfluss der Vererbung auf die lumbale Bandscheibendegeneration. Umgekehrt wurde trotz merklicher Unterschiede zwischen den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Zwillingsgeschwistern überraschend wenig Einfluss auf die Bandscheibendegeneration beobachtet.

Weitere Ergebnisse der Studie waren:

  1. Bei Rauchern erkannte man einen Anstieg der Degeneration. Der Effekt war jedoch gering.
  2. Körpergewicht und Muskelkraft scheinen einen größeren Faktor zu spielen als die beruflichen körperlichen Anforderungen.
  3. Tatsächlich wurden Hinweise darauf gefunden, dass eine routinemäßige Belastung einige Vorteile für die Bandscheibengesundheit haben könnte.

Punkt 3 kann mit den Einsichten weiterer Studien untermauert werden:

  • Joggen kann helfen, die Bandscheiben gesund und hydriert bzw. ernährt zu halten (Belvya et al. 2017).
  • Inaktivität führt zu dünneren, trockeneren Bandscheiben als bei aktiven Menschen (Teichtahl et al. 2015).
  • Krafttraining führt zu positiven Anpassungen der Bandscheiben (Steele et al. 2014)

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Pat von OX

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